Im Interview mit

„Die Besten für die Besten“: Die Rolle der Sportklinik Hellersen für die Olympia-Bewerbung von Rhein-Ruhr

Land NRW und Landessportbund NRW stellen Bewerbungskonzept vor – nachhaltige Ausrichtung steht im Mittelpunkt

Das geplante temporäre Leichtathletikstadion wird nach internationalen Standards gebaut und verfolgt einen nachhaltigen Ansatz.

Foto: planquadrat Elfers Geskes Krämer GmbH, Architektur und Stadtplanung

Nach den Olympischen Spielen soll das Stadion zu einem Wohn- und Geschäftskomplex weiterentwickelt werden.

Foto: planquadrat Elfers Geskes Krämer GmbH, Architektur und Stadtplanung

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Das olympische Feuer brennt im Stadionkessel. 10.000 Athletinnen und Athleten kämpfen darum, eine von über 900 Medaillen zu erhalten und in einer der zahlreichen Disziplinen einen Sieg für ihre Nation zu holen. Dieses Szenario könnte sich 2036, 2040 oder 2044 in Deutschland abspielen genauer: in NRW. Die Rhein-Ruhr-Region ist neben München, Berlin und Hamburg eine von vier nationalen Kandidaten, die für die kommende Olympische und Paralympische Bewerbung für Deutschland zur Wahl stehen.

In einem Interview berichten Stefan Klett, Präsident des Landessportbundes NRW und des Trägers der Sportklinik Hellersen, dem Sporthilfe NRW e.V., sowie Michael Scharf, Leistungssportdirektor LSB NRW, über die Bewerbung und die Vorteile, die die Region Rhein-Ruhr für die Olympischen und Paralympischen Spiele bietet. Ein wichtiger Teil davon ist die Sportklinik Hellersen, die nicht nur DOSB-Stützpunkt ist, sondern auch eine jahrzehntelange enorme Sportexpertise vorweist.

Foto: LSB NRW / Bowinkelmann

Zur Person
Stefan Klett

Stefan Klett ist seit 2020 Präsident des Landessportbundes NRW (LSB) und seit 2022 auch des Trägers der Sportklinik Hellersen, dem Sporthilfe NRW e.V. Zuvor war er bereits seit 2015 Vizepräsident der Sporthilfe sowie seit 2008 Vizepräsident Finanzen des LSB NRW. Darüber hinaus gehört er seit 2020 zum Kuratorium der Sportstiftung NRW. Von 2008 bis 2019 war er Präsident des Aeroclub NRW sowie von 2019 bis 2022 des Deutschen Aeroclub, dem Dachverband der deutschen Luftsportler. Hauptberuflich arbeitet der studierte Klimatechniker für ein großes Unternehmen der Gebäudewirtschaft.

Herr Klett, warum ist die Region Rhein-Ruhr der perfekte Austragungsort und was zeichnet das Bewerbungskonzept des Landessportbundes NRW (kurz LSB) aus?
Stefan Klett: Es gibt gleich mehrere Argumente, warum die Region Rhein-Ruhr der perfekte Austragungsort ist. Eines der wichtigsten ist aber mit Sicherheit, dass in Nordrhein-Westfalen bereits 95 Prozent der vorgesehenen Sportstätten schon heute vorhanden sind. Zahlreiche Fußballstadien und Messehallen sind sofort einsatzfähig. Dies spricht vor allem für nachhaltige olympische Spiele. Lediglich ein Leichtathletikstadion, das internationalen Standards entspricht, fehlt bisher. Doch auch hier haben wir einen nachhaltigen Ansatz: Es soll ein temporäres Stadion entstehen, das im Anschluss an die Spiele zu einem Wohn- und Geschäftskomplex als Zentrum eines neuen Stadtteils weiterentwickelt werden soll. Hier sind Köln und Essen im Gespräch.
Über den nachhaltigen Aspekt hinaus haben wir zudem in NRW viel Erfahrung mit Großveranstaltungen. Wir haben in den letzten zehn Jahren allein 30 Europa- und Weltmeisterschaften organisiert und die University Games (2025 FISU World University Games), die im Juli dieses Jahres in mehreren NRW-Städten stattfanden, waren bereits ein erfolgreicher und hervorragender Testlauf für die Olympischen Spiele. Über 8.500 studentische Athletinnen, Athleten sowie Offizielle aus mehr als 150 Nationen nahmen teil und über 10.000 Volunteers aus 114 Ländern waren aktiv.

„Es ist eine regionale Bewerbung das hat Charme und ist definitiv ein Alleinstellungsmerkmal.“

Michael Scharf
Direktor Leistungssport beim Landessportbund NRW

Foto: LSB NRW / Bowinkelmann

Zur Person
Michael Scharf

Michael Scharf ist seit 2018 Direktor Leistungssport beim Landessportbund NRW. Zuvor war er Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland von 2004 bis 2018 und von 1993 bis 2004 Geschäftsführender Vorstand der Schwimm- und Sportfreunde Bonn. Sein Studium an der Deutschen Sporthochschule sowie an der Uni Köln und Bonn legte er mit einem Diplom in Sport und in Psychologie ab.
Zudem kann Michael Scharf auf eine beachtliche leistungssportliche Karriere im Modernen Fünfkampf zurückblicken. Er erhielt die EM- und WM-Teammedaille sowie den 9. Platz auf der WM 1986, war Deutscher Einzelmeister 1987 sowie Deutscher Mannschaftsmeister 1982,1985, 1986 und 1988.

Gibt es noch weitere Vorteile, die die Region bietet?
Michael Scharf: Das sind bereits wichtige Argumente. Das Besondere, das uns auszeichnet, ist jedoch, dass wir unter den vier deutschen Bewerbern die Spiele nicht als Stadt, sondern gemeinsam als Region mit Köln als voraussichtlicher Leading City ausrichten wollen. Es ist eine regionale Bewerbung das hat Charme und ist definitiv ein Alleinstellungsmerkmal. Dabei profitieren wir von einem sehr starken Netzwerk im Sportland NRW. Von über 30 Sportmedizinischen Untersuchungszentren des DOSB in Deutschland befinden sich allein sechs in Nordrhein-Westfalen. Eines davon ist die Sportklinik Hellersen.

Welchen Mehrwert bietet die Austragung der Spiele in NRW der Bevölkerung und den Sportvereinen?
Stefan Klett: Wir haben in NRW große politische Unterstützung zugesagt bekommen und der Haushalt sieht bereits Geld dafür vor. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Förderung in die Sanierung von Sportstätten fließt. Wir fordern zehn Prozent des Landesanteils am Sondervermögen des Bundes für den Sport in NRW. Dies entspricht 175 Millionen Euro pro Jahr. Davon hat uns der Ministerpräsident von NRW, Hendrik Wüst, bereits 50 Millionen vom Landesanteil in Aussicht gestellt. Das ist gleichzeitig ein großer Pluspunkt für das Gemeinwohl, da unsere Sportvereine wichtige soziale Anlaufstellen sind. Gerade auf Bundesebene muss in den nächsten Jahren Geld für Sportstätten und Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden und dafür setzen wir uns ein.
Dies wird auch zu einer Akzeptanz in der Breite führen. Bereits jetzt zeigt eine aktuelle Meinungsumfrage eine große Unterstützung der Bevölkerung. 70 Prozent der Bürger können sich laut der Befragung die Spiele gut in NRW vorstellen.

Mit welchem Zuspruch rechnen Sie im Hinblick auf die Besucher-Mengen, wenn die Spiele in NRW stattfinden?
Stefan Klett: Wir können in der Rhein-Ruhr-Region in einem Umkreis von 500 Kilometern 160 Millionen Menschen erreichen. Das liegt nicht zuletzt an unserer geografisch zentralen Lage und an dem Vorhandensein der nötigen Logistik. Laut einer aktuellen Berechnung könnten wir rund 11,4 Millionen Tickets für die Olympischen und rund 2,5 Millionen für die Paralympischen Spiele verkaufen. Dies ist auch ein wichtiges Argument für das IOC (Internationales Olympisches Komitee), da bisher noch nie so viele Tickets bei den Olympischen und Paralympischen Spielen verkauft wurden.

Das ist sicherlich auch ein schönes Zeichen für die teilnehmenden Sportler. Welche Bedeutung hat die Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele für den Landessportbund NRW und die Athleten?
Michael Scharf: Wichtig ist, dass die Athleten im Mittelpunkt stehen. Eine wichtige Komponente ist in diesem Zusammenhang die enge Zusammenarbeit in der Sportfamilie und die gute Betreuung der Athleten und Trainer. Dies geschieht unter anderem durch die Kaderuntersuchungen und die Betreuung durch die Sportmedizinischen Untersuchungszentren. Auch diese werden durch die Olympia-Bewerbung gestärkt. Wir als Landessportbund NRW führen den Gesundheitssport, den Leistungssport und den Breitensport unter einem Dach. Dabei ist Sport als Tool zur Prävention ein wichtiges Mittel und wird in Zukunft an noch mehr Bedeutung gewinnen. Die gute medizinische Betreuung ist in allen drei Bereichen essenziell und dazu sind wir auf Einrichtungen wie die Sportklinik Hellersen angewiesen insbesondere bei sportlichen Veranstaltungen dieses Ausmaßes.

Foto: freepik

Der LSB NRW

Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen ist die Dachorganisation des organisierten und gemeinwohlorientierten Sports in Nordrhein-Westfalen. Er zählt rund 5,5 Mio. Mitglieder in 17.300 Vereinen. Davon sind 500.000 ehrenamtlich tätig.

Insgesamt hat der LSB NRW 132 Mitgliedsorganisationen: Darunter 62 Dach- und Fachverbände, 54 Stadt- und Kreissportbünde sowie 16 Mitgliedsorganisationen mit besonderer Aufgabenstellung. Der Sitz des LSB NRW befindet sich im Sportpark Duisburg.

Die Besten für die Besten

Die erwähnten Kaderuntersuchungen finden bereits im Vorfeld von Turnieren statt. Wie sieht die medizinische Betreuung konkret während der olympischen Spiele aus?
Michael Scharf: Vor Ort findet die medizinische Betreuung jeweils über die Verbands- und Mannschaftsärzte statt sowie über das im olympischen Dorf eingerichtete Medical Center. Für dieses werden sportaffine Ärzte durch den Leitenden Olympiaarzt Prof. Dr. Bernd Wohlfahrt nominiert. Hier werden in der Regel harmlosere Verletzungen behandelt. Der zweite Baustein sind die Sportmedizinischen Untersuchungszentren. Bei gravierenden Verletzungen wie Rupturen und Frakturen sind wir auf gute Kliniken angewiesen, die eine entsprechende Sportexpertise vorweisen.

Welche Rolle spielt die Sportklinik Hellersen für die Olympischen Spiele in Deutschland?
Michael Scharf: Als DOSB-Stützpunkt ist die Sportklinik Hellersen ein wichtiger Anlaufpunkt für gravierende Verletzungen während des Turniers. Darüber hinaus haben wir mit der Sportklinik Hellersen eine Spezialklinik im Verbreitungsgebiet des Landessportbundes NRW, die mit ihren medizinischen Leistungen eine hohe Sportexpertise vorweist. Wir sind der einzige Landessportbund in Deutschland, der unter seinen Mitgliedern den Trägerverein eines derart professionellen medizinischen Kompetenzzentrums inklusive Spezialklinik hat.
Ich kann die Zusammenarbeit mit der Sportklinik Hellersen als Olympiastützpunkt nur loben. Die außerordentlich gute Betreuung ist eine wichtige Voraussetzung nur so können wichtige Standards eingehalten werden, wie zum Beispiel die Behandlung beziehungsweise Operation von Kreuzbandrupturen innerhalb eines Zeitfensters von 24 Stunden nach dem Unfall. Hier kann man die Sportler nur dazu aufrufen, in NRW dieses Kompetenzzentrum auch zu nutzen. Denn die besten Sportler brauchen auch die besten Mediziner – und das ist in der Sportklinik Hellersen gegeben.

Foto: LSB NRW / Bowinkelmann

So sehen die nächsten Schritte aus:

Wann wird feststehen, mit welcher Stadt beziehungsweise Region Deutschland sich um die Olympischen und Paralympischen Spiele bewerben wird?

Stefan Klett erklärt dazu:
Zuständig für die Bewerbung für Deutschland als Austragungsort ist der DOSB als Dachverband. Um sich für eine der vier Regionen, die bereits ihr Interesse bekundet haben, zu entscheiden, hat der DOSB ein dreistufiges Verfahren gewählt. So soll zunächst bis Herbst 2025 eine sportfachliche Prüfung aller Bewerber stattfinden, ob diese in der Lage sind, die Olympischen und Paralympischen Spiele durchzuführen. Hier geht es unter anderem um die Sportstätten und die Infrastruktur. Für die Region Rhein-Ruhr haben wir bereits Ende Mai unser Bewerbungskonzept „Powerhouse of True Sports“ vorgestellt. Dieses beinhaltet unter anderem die Sportstätten und Akteure.

Ein wichtiger Baustein bleibt jedoch auch die Unterstützung der Bevölkerung für die Zusage. In NRW wird die Bevölkerung am 19. April 2026 abstimmen. Der dritte Punkt im Verfahren ist eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB, die die Entscheidung zum deutschen Austragungsort trifft. Diese wird voraussichtlich im Herbst 2026 stattfinden. Mit diesem Beschluss bewirbt sich Deutschland dann für die internationalen Spiele beim IOC.

Die Eckdaten im Überblick

20.05.2025
Kabinettsbeschluss der Landesregierung NRW zur Unterstützung der Olympia-Bewerbung der Region Rhein-Ruhr

28.05.2025
Offizielle Vorstellung und Einreichung des Bewerbungskonzeptes beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB)

01.07.2025
Präsentation des Konzepts vor den olympischen Spitzenverbänden und dem Deutschen Behindertensportverband

Bis Herbst 2025
Sportfachliche Prüfung aller 4 Bewerber durch den DOSB

19.04.2026
Bürgerbeteiligung durch Referendum in NRW

September 2026
Der DOSB entscheidet in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, welche deutsche Bewerbung international eingereicht wird