Dirk Burghaus
Vorstandsvorsitzender Sportklinik Hellersen
Fotos: Valéry Kloubert
Veränderung aktiv gestalten statt nur verwalten
Dirk Burghaus blickt anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums auf den Wandel der Sportklinik Hellersen zurück
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Vor gut zehn Jahren kam Dirk Burghaus an die Sportklinik Hellersen. Damals befand sich das Haus in einer wirtschaftlichen und strukturellen Schieflage. Fehlende strategische Orientierung, Defizite in Organisation und Abläufen sowie hoher Handlungsdruck prägten die Situation. Der Weg aus der Krise führte über konsequente Stabilisierung und klare Entscheidungen hin zu einer langfristigen Neuausrichtung.
Heute steht die Sportklinik Hellersen für eine klare medizinische Spezialisierung, exzellente Medizin, internationale Vernetzung und eine patientennahe Versorgung. Im Interview spricht Dirk Burghaus über Entscheidungen unter hohem Druck – und über eine Führungskultur, die auf Klarheit, Vertrauen und Verantwortung basiert.
Herr Burghaus, welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren aus Ihrer Sicht entscheidend, um die Aufgabe in der Sportklinik Hellersen anzugehen – und was hat Sie an dieser Herausforderung besonders angesprochen?
Dirk Burghaus: Ein zentraler Erfolgsfaktor war, dass ich nicht aus dem klassischen Krankenhausbereich komme, sondern aus der Turnaround- und Restrukturierungsberatung. Die Sportklinik Hellersen hat zudem eine sehr individuelle Struktur, die es in Deutschland so kein zweites Mal gibt. Sie ist als eingetragener Verein organisiert und wird von 130 Mitgliedsorganisationen getragen. Dahinter stehen rund 5,6 Millionen Sportler in Nordrhein-Westfalen. Eine solche Konstruktion ist bundesweit einzigartig.
Als ich damals in die Sportklinik Hellersen kam, fand ich eine Situation vor, die ich aus anderen Branchen gut kannte: medizinisch eine hervorragende Qualität mit international anerkannten Top-Spezialisten – organisatorisch und strukturell jedoch mit deutlichem Nachholbedarf. Abläufe, Planung, IT und strategische Steuerung waren nicht auf dem Niveau, das für einen stabilen Klinikbetrieb notwendig ist.
Hier war meine Erfahrung aus über 20 Jahren Sanierungsberatung und Turnaround-Management entscheidend, um den Weg konsequent und erfolgreich zu gestalten.
In der öffentlichen Wahrnehmung hatte die Sportklinik Hellersen zeitweise an Strahlkraft verloren. Heute wird wieder von einer Rückkehr zu alter Stärke gesprochen. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Dirk Burghaus: Die Sportklinik Hellersen war über viele Jahre hinweg ein prägender Akteur in der orthopädischen und sportmedizinischen Versorgung – weit über die Region hinaus. Diese Position ist im Laufe der Zeit weniger sichtbar geworden, obwohl die medizinische Qualität durchgehend hoch geblieben ist. Der entscheidende Punkt war: Es fehlte eine strategische Ausrichtung und die konsequente Weiterentwicklung von Strukturen, Prozessen und Profil. Gute Medizin allein reicht nicht, wenn sie nicht klar positioniert und aktiv weiterentwickelt wird.
Unser Anspruch war von Anfang an eindeutig: Wir wollten nicht nur auf hohem Niveau arbeiten, sondern wieder eine führende Rolle einnehmen – medizinisch, organisatorisch und in der Wahrnehmung nach außen. Das haben wir umgesetzt – durch klare Fokussierung, stärkere Spezialisierung, bessere Abläufe und eine deutlich aktivere Positionierung am Markt. Heute werden wir wieder als das wahrgenommen, was wir sein wollen: eine der führenden Adressen in unserem Bereich.
Wann war für Sie der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr um reines Überleben, sondern um strategische Entwicklung ging?
Dirk Burghaus:Der Wendepunkt kam nach rund anderthalb Jahren. In der Anfangsphase ging es vor allem darum, die Klinik überhaupt wieder handlungsfähig zu machen – in einer existenziellen Situation. Durch die nicht funktionierende Systemumstellung konnten über Monate keine Rechnungen gestellt werden – bei gleichzeitig hohen laufenden Kosten. Das war für die Klinik eine enorme Belastung.
Wir haben das Problem konsequent gelöst: Rückkehr auf ein stabiles System und parallel die Umstellung auf eine moderne Struktur. In dieser Geschwindigkeit ist das alles andere als selbstverständlich. Der entscheidende Moment war erreicht, als die Abrechnung wieder stabil lief und die Liquidität gesichert war. Ab diesem Punkt ging es nicht mehr ums Reagieren, sondern darum, die Zukunft aktiv zu gestalten.
Seitdem ist unser Anspruch klar definiert: Wir haben die Sportklinik Hellersen wieder in eine führende Position gebracht – medizinisch, organisatorisch und strategisch. Unser Fokus liegt darauf, diese Position weiter auszubauen und dauerhaft zu behaupten.
Welche Rolle spielt medizinische Spezialisierung für die Zukunftsfähigkeit der Sportklinik Hellersen?
Dirk Burghaus: Medizinische Spezialisierung ist der Kern unseres Erfolgsmodells. Wir sind bewusst keine breite Versorgungsstruktur, sondern eine hochfokussierte Spezialklinik. Genau deshalb kommen Patienten zu uns. Unser Anspruch ist eindeutig: In den Bereichen, auf die wir uns konzentrieren, gehören wir zur Spitze – medizinisch und strukturell. Das erreichen wir, indem wir konsequent auf ausgewiesene Experten setzen und unsere Schwerpunkte gezielt weiterentwickeln. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Aufbau neuer Bereiche, sondern in der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Bestehenden. Exzellenz entsteht nicht einmalig, sondern durch permanente Verbesserung – in den medizinischen Abläufen, in der Organisation und in der Zusammenarbeit. Genau daran arbeiten wir: Wir schärfen unser Profil weiter und stellen sicher, dass wir in unseren Kernbereichen dauerhaft eine führende Rolle einnehmen und behaupten.
„Internationalisierung war für uns kein theoretisches Konzept, sondern eine logische Konsequenz aus der Praxis.“
Dirk Burghaus,
Vorstandsvorsitzender der Sportklinik Hellersen
Sie haben früh auf Internationalisierung gesetzt. Wie kam es zu diesem Schritt?
Dirk Burghaus: Internationalisierung war für uns kein theoretisches Konzept, sondern eine logische Konsequenz aus der Praxis. Über internationale Ärzte in unserem Haus sind früh Kontakte entstanden – insbesondere in den arabischen und asiatischen Raum. Daraus haben wir gezielt Kooperationen entwickelt und Schritt für Schritt ein belastbares internationales Netzwerk aufgebaut.
Unser Anspruch war von Anfang an klar: Wenn wir in unseren Kernbereichen führend sein wollen, müssen wir uns auch international positionieren. Dass wir heute als erstes Krankenhaus weltweit im Rahmen des Arab Boards Fachärzte für alle 22 arabischen Nationen außerhalb der arabischen Welt ausbilden dürfen, zeigt, dass dieser Weg richtig war. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal und hebt uns deutlich vom Wettbewerb ab. Internationalisierung ist für uns kein Zusatz, sondern ein fester Bestandteil unserer strategischen Ausrichtung.
Wie wirkt sich diese Internationalisierung auf die Attraktivität der Spezialklinik aus?
Dirk Burghaus:Sehr konkret: Wir haben keinen Fachkräftemangel – im Gegenteil. Wir erhalten heute mehr Bewerbungen, als wir Stellen anbieten können. Das hängt direkt mit unserer internationalen Ausrichtung zusammen. Exzellente Mediziner denken längst nicht mehr national. Sie suchen ein Umfeld, das fachlichen Austausch auf höchstem Niveau ermöglicht und international sichtbar ist. Genau das bieten wir. Durch unsere internationale Vernetzung, unsere Präsenz auf großen Kongressen und Formate wie Live-Operationen vor internationalem Fachpublikum sind wir Teil dieses globalen Austauschs.
Für viele Top-Mediziner ist das entscheidend. Sie wollen nicht nur in einer Klinik arbeiten, sondern in einem Umfeld, das fachlich führt und international anerkannt ist. Diese Kombination macht die Sportklinik Hellersen heute als Arbeitgeber deutlich attraktiver als viele vergleichbare Einrichtungen.
Hat sich Ihr Führungsverständnis in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Dirk Burghaus: In der Grundhaltung nicht. Führung bedeutet für mich, klare Ziele zu setzen, transparent zu kommunizieren und Verantwortung zu übernehmen. Gerade in einem Umfeld mit hochqualifizierten Ärzten ist es entscheidend, die Rollen sauber zu trennen: Die medizinische Exzellenz liegt in den Fachbereichen. Meine Aufgabe ist es, die Richtung vorzugeben und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass diese Exzellenz dauerhaft möglich ist. Das funktioniert nur auf Augenhöhe. Wer auf diesem Niveau arbeitet, erwartet zu Recht Respekt und Verlässlichkeit – und bekommt sie auch. Gleichzeitig bedeutet Führung für mich, Klarheit zu schaffen und Entscheidungen zu treffen. Am Ende geht es darum, alle Kräfte auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. So entsteht Vertrauen – und das ist die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
Wenn Sie dem Dirk Burghaus von vor zehn Jahren einen Rat geben könnten – welcher wäre das?
Dirk Burghaus: Treffe weiter schnelle Entscheidungen – aber nimm dir bewusst die Zeit, sie zu reflektieren.
Tempo ist eine meiner Stärken und gerade in schwierigen Situationen entscheidend. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass nicht jede Entscheidung unter maximalem Zeitdruck getroffen werden muss. In einem komplexen Umfeld wie einem Krankenhaus haben Entscheidungen fast immer Auswirkungen auf mehrere Bereiche. Ein zusätzlicher Schritt der Reflexion hilft, diese Zusammenhänge besser zu erkennen und die Qualität der Entscheidung weiter zu erhöhen. Die Balance aus Geschwindigkeit und Klarheit ist am Ende der entscheidende Faktor.
Abschließend: Welches Ereignis steht für Sie persönlich sinnbildlich für die Entwicklung der Sportklinik Hellersen?
Dirk Burghaus: Die Integration der Schmerzmedizin war für mich ein entscheidender Wendepunkt. Es war der erste Moment, in dem wir bewusst ein größeres Risiko eingegangen sind – nicht mit einer Einzelperson, sondern mit einem kompletten Team und einem neuen medizinischen Bereich. Damit haben wir klar gezeigt, dass wir bereit sind, uns weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen. Die Gespräche waren intensiv, aber am Ende hat die gemeinsame Vorstellung überzeugt, wohin sich die Sportklinik Hellersen entwickeln soll. Dass wir uns am Telefon auf diesen Schritt verständigt haben, zeigt auch das gegenseitige Vertrauen.
Rückblickend war das der Startpunkt für vieles, was danach gekommen ist. Die Schmerzmedizin hat sich sehr erfolgreich entwickelt und gleichzeitig bewiesen, dass Veränderung bei uns nicht nur möglich ist, sondern aktiv gestaltet wird. Dieser Schritt steht für mich bis heute sinnbildlich für die Entwicklung der Sportklinik Hellersen: klar entscheiden, Verantwortung übernehmen und Dinge konsequent umsetzen.
Vom Turnaround zur internationalen Positionierung
Dirk Burghaus
Vorstandsvorsitzender | CEO | Experte für Transformation und strategische Unternehmensentwicklung | Senat der Wirtschaft
Turnaround & Stabilisierung (2016–2018)
März 2016
Einstieg als Restrukturierungs- und Turnaroundberater an der Sportklinik Hellersen
- Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation
- Wiederherstellung der operativen Handlungsfähigkeit
- Aufbau tragfähiger Strukturen und Prozesse
Strategischer Aufbau & Neuausrichtung
ab Mai 2017
Übernahme zentraler Führungsfunktionen an der Sportklinik Hellersen
- Vorstandsvorsitzender der Sportklinik Hellersen
- Geschäftsführer des MVZ an der Sportklinik Hellersen
- Vorstand Gesundheitszentrum Hellersen e. V.
- Vorstandsvorsitzender Sporthilfe NRW e. V.
Strategische Entwicklung der Klinik:
- Klare Fokussierung auf medizinische Spezialisierung
- Weiterentwicklung von Organisation und Abläufen
- Stärkung der Marktposition im orthopädischen Bereich
Januar 2020
Integration der Schmerztherapieabteilung des Marienhospitals Letmathe
Oktober 2020
Etablierung des Fachbereichs „Spezielle Wirbelsäulenchirurgie“
Internationalisierung & Wachstum
(ab 2022)
ab Januar 2022
Unternehmer im internationalen Krankenhausmanagement
ab August 2022
Berufung zum Senator im Senat der Wirtschaft, Berlin
März 2024
Etablierung des Deutschen Wirbelsäulen- und Skoliosezentrums
ab Januar 2025
Übernahme von Management und Betrieb einer orthopädisch-chirurgischen Abteilung in Abu Dhabi (Hellersen Hospital)
März 2025
Einführung des Robotik-Zentrums
November 2025
Aktive Mitgestaltung des 77. Jahreskongresses der Egyptian Orthopaedic Association (EOA) in Kairo – inklusive Live-Operationen aus den OP-Sälen der Sportklinik Hellersen
Heute
Dirk Burghaus führt die Sportklinik Hellersen als spezialisierte, international vernetzte Einrichtung mit klarem Fokus auf medizinische Exzellenz, strukturiertes Wachstum und nachhaltige Weiterentwicklung.