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Handchirurgie

Foto: Max Kruse

Ein paar Sekunden schwerelos – und alles ist anders

Freerider Max Kruse kehrt nach komplexer Bandrekonstruktion zu seiner Leidenschaft zurück

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Ich hatte eine Mission“, berichtet Max Kruse. Er ist Freerider und der Sport auf dem Rad ist sein Leben. „Ich wollte einen Stunt in 20 Metern Höhe machen, den ich vorher noch nie gemacht hatte.“ Doch diese Mission endete in einer schweren Handgelenksverletzung, die um ein Haar das Aus für seine Karriere bedeutet hätte. Aber der Reihe nach.

Während des Sprungs verschränkte er das Rad unter sich, das Handgelenk wurde extrem überstreckt. Das Band riss, die Hand luxierte. „Ich war oben in der Luft und musste entscheiden, was ich jetzt mache.“ Trotz der Verletzung landete Max Kruse den Sprung, fuhr weiter und wiederholte ihn sogar mehrfach. Erst am nächsten Tag zeigten sich die Folgen: starke Schwellung, Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit.

Die Diagnose, die alles infrage stellte

In einer ersten Klinik erhielt Max Kruse die Diagnose, dass sein Handgelenk nur noch versteift werden könne – ein unvorstellbarer Gedanke für einen Profisportler. „Das hätte das Aus für meine Karriere bedeutet“, sagt er rückblickend. Heute würdigt er die Professionalität des behandelnden Chefarztes, der offen erklärte, an dieser Stelle nicht weiterhelfen zu können – und ihn an einen Spezialisten verwies.

Der Weg führte Max Kruse schließlich in die Sportklinik Hellersen zu Dr. Petra Scheffer, Chefärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie. Dort änderte sich die Perspektive grundlegend. „Frau Dr. Scheffer war so überzeugt davon, dass sie mein Handgelenk wieder hinbekommt. Das hat mir unglaublich viel Ruhe gegeben – im Alltag und im Kopf. Ich fühlte mich sofort in guten Händen“, erinnert sich Max Kruse.

„Die Beweglichkeit war nach zwei Wochen Gipsabnahme bereits bei etwa 45 Grad in Beugung und Streckung das ist wirklich bemerkenswert.“

Dr. Petra Scheffer
Chefärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie

Eine seltene und komplexe Bandrekonstruktion

Die Diagnose bestätigte einen kompletten Riss des Bandes zwischen Kahnbein und Mondbein – eine Verletzung, die zu einer massiven Instabilität im Handgelenk führte. „Bandrekonstruktionen sind in der Handchirurgie grundsätzlich seltenere Eingriffe. Die Bandruptur ist im MRT leider oft nicht erkennbar. Erst in einer Arthroskopie – einer Gelenkspiegelung – wird diese sichtbar. Infolgedessen wird ein Bänderriss an dieser Stelle häufig zu spät erkannt, manchmal erst Jahre später. Zudem denken viele Betroffene zunächst, dass ihr Handgelenk lediglich verstaucht sei, weil zum Beispiel die Schmerzen weniger gravierend sind oder sie diese keinem konkreten Unfall zuordnen können.

„Hört auf euren Körper, übernehmt Verantwortung für euch selbst – und sprecht darüber, wenn es euch nicht gut geht.“

Max Kruse
Freerider

Das Problem: Je mehr Zeit vergangen ist, desto geringer ist die Möglichkeit, das Band zu rekonstruieren, da im Verlauf Knorpelschäden auftreten. Bei einer bestehenden Arthrose wird kein Band rekonstruiert. Das Band selbst kann nur innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Verletzung genäht werden, da es schrumpft. Aber dieses Zeitfenster ist in der Realität oft schon vergangen“, erklärt Dr. Petra Scheffer. Im Fall von Max Kruse wurde die Verletzung rechtzeitig erkannt. Das Besondere war hier jedoch auch der extreme Unfallmechanismus. „Die Knochen waren nicht nur auseinandergewichen, sondern auch verdreht“, ergänzt die Chefärztin.

Offenheit über Risiken und mentale Gesundheit

Max Kruse wendete sich mit seiner Geschichte bewusst an die Öffentlichkeit. Er teilte seine Erlebnisse auf seinem Social-Media-Profil. Damit stieß er auch auf Kritik.

„Es gab teilweise sehr negative Reaktionen darauf. Dennoch – oder gerade deswegen ist es mir wichtig zu zeigen, dass auch diese schwierigen Themen zum Sport dazu gehören. Man sieht immer nur die perfekten Sprünge. Keiner sieht die Arbeit, die hinter so einem Sport steckt oder welchen Preis man in Wirklichkeit dafür zahlt, um ganz oben mitzuspielen. Ich habe viele Freunde in diesem Sport verloren – durch Unfälle oder durch die Folgen schwerer Verletzungen. Darüber muss man offen reden. Und man sollte auch offen und ehrlich sagen und zeigen, wenn es einem emotional nicht gut geht. Ich möchte authentisch sein und zugeben, dass mich die Handverletzung auch stark psychisch belastet hat. Körperliche und mentale Gesundheit gehören zusammen. Deshalb möchte ich anderen den Rat geben: Hört auf euren Körper, übernehmt Verantwortung für euch selbst – und sprecht darüber, wenn es euch nicht gut geht.“

Heute ist Max Kruse vor allem eines: dankbar. „Für das Leben. Das ist wunderschön.“

Bei der Operation wurden mithilfe sogenannter „Joystick-Drähte“ die Knochen zunächst anatomisch korrekt repositioniert. Anschließend erfolgte die Rekonstruktion des gerissenen Bandes mit einer körpereigenen Sehne, die im Knochen verankert wurde. Das Ziel: Stabilität erhalten, Beweglichkeit ermöglichen – und eine Versteifung vermeiden. „Wenn eine Rekonstruktion nicht gelingt, bleibt eine Versteifung immer noch eine Option. Deshalb entscheiden wir uns – wenn es möglich ist – zuerst für den gelenkerhaltenden Weg“, erklärt Dr. Petra Scheffer.

Schneller Heilungsverlauf dank Medizin und Eigeninitiative

Bereits kurze Zeit nach der Operation zeigte sich ein außergewöhnlich guter Heilungsverlauf. „Die Beweglichkeit war nach zwei Wochen Gipsabnahme bereits bei etwa 45 Grad in Beugung und Streckung das ist wirklich bemerkenswert, trotz acht Wochen Gips“, sagt Dr. Petra Scheffer. Entscheidend dafür sei auch die hohe Eigeninitiative des Patienten gewesen. „Physiotherapie kann nur anleiten. Den größten Teil der Arbeit muss der Patient selbst leisten gerade in der Handchirurgie.“

Max Kruse bestätigt das: „Ich wusste, dass es lange dauern würde. Aber ich hatte keinen Zweifel mehr daran, dass ich zurückkommen kann. Das gab mir Kraft!“ Heute trainiert er wieder zunächst mit Fokus auf Beweglichkeit und Kraftaufbau. Seine Motivation: „Wieder große Sprünge springen zu können. Das ist für mich das Schönste!“

Video: Nach 20-Meter-Crash: Freerider kämpft sich dank Bandrekonstruktion zurück

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Nach 20-Meter-Crash: Freerider kämpft sich dank Bandrekonstruktion zurück

Video is in German – auto-generated subtitles are available!

Max Kruse hat eine bewegende Zeit erlebt. In einem Interview mit uns erfahren Sie seine ganze Geschichte hautnah.