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Schulter-, Ellenbogen-, Kniechirurgie und Traumatologie

Wenn der Ellenbogen streikt

Wie eine arthroskopische Operation Beweglichkeit zurückbringen kann

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Typische Symptome einer Ellenbogenarthrose

Zu den häufigsten Beschwerden gehören Schmerzen im Ellenbogen sowie Blockaden bei bestimmten Bewegungen. Häufig kommt es außerdem zu einer eingeschränkten Streck- oder Beugefähigkeit. Im weiteren Verlauf kann das Gelenk zunehmend steifer werden.

Schmerzen, Blockaden und zunehmende Bewegungseinschränkungen im Ellenbogen können erste Hinweise auf eine Arthrose sein und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Eine Ellenbogenarthrose ist zwar seltener als Verschleiß an Hüfte oder Knie, anders als bei lasttragenden Gelenken ist der Verlauf jedoch lange asymptomatisch. Deshalb wird eine Arthrose im Ellenbogen häufig erst später erkannt. Moderne arthroskopische Verfahren ermöglichen heute oft eine schonende Behandlung. Im Interview erklärt Elie Hassoun, Oberarzt in der Schulter-, Ellenbogen-, Kniechirurgie und Traumatologie sowie Sektionsleiter der Ellenbogenchirurgie und rekonstruktiven Band- und Knorpelchirurgie, woran Betroffene die Erkrankung erkennen und wie sich die Beweglichkeit des Gelenks erhalten lässt.

Herr Hassoun, was versteht man unter einer Ellenbogenarthrose?
Elie Hassoun: Bei einer Arthrose kommt es zu einem Verschleiß des Gelenkknorpels. Dieser Knorpel überzieht normalerweise die Gelenkflächen und sorgt dafür, dass wir unser Gelenk reibungsarm bewegen können. Beim Ellenbogen entsteht dieser Verschleiß häufig nicht nur altersbedingt, sondern auch als Folge früherer Verletzungen. Dazu gehören zum Beispiel Brüche oder Auskugelungen des Gelenks. Wenn der Knorpel geschädigt ist oder teilweise verloren geht, reiben die Knochenflächen stärker aufeinander. In diesem Fall bilden sich knöcherne Anbauten, es bilden sich Zysten und freie Gelenkkörper. Dadurch kommt es zu Schmerzen, Entzündungsreaktionen im Gelenk und häufig auch zu Bewegungseinschränkungen.

Woran merken Patienten, dass etwas mit dem Ellenbogen nicht stimmt?
Elie Hassoun: Die Beschwerden beginnen häufig mit Schmerzen im Ellenbogen, vor allem bei Belastung oder bestimmten Bewegungen. Öfter berichten Betroffene von Blockaden im Gelenk. Dabei entsteht das Gefühl, dass der Ellenbogen bei einer Bewegung plötzlich „hängen bleibt“. Mit der Zeit nimmt häufig auch die Beweglichkeit ab. Besonders das vollständige Strecken oder Beugen fällt schwer. Viele Patienten bemerken dies zunächst bei alltäglichen Dingen, zum Beispiel wenn sie den Arm nicht mehr vollständig ausstrecken können oder bestimmte Bewegungen im Alltag schwieriger werden. In fortgeschrittenen Fällen kann das Gelenk sogar teilweise versteifen.

Welche Ursachen sehen Sie in der Praxis am häufigsten?
Elie Hassoun: Sehr häufig ist eine Ellenbogenarthrose die Spätfolge eines Unfalls. Viele Patienten hatten Jahre zuvor eine Verletzung, manchmal bereits in der Kindheit. Die Verschleißerscheinungen treten jedoch oft deutlich später auf. Dauerhafte Belastungen oder negative Mikrotraumen im Rahmen einer kontinuierlichen Überbeanspruchung können ebenfalls eine Rolle spielen. Hierzu zählen auch Sportarten, bei denen der Ellenbogen stark gefordert wird, oder körperlich schwere Tätigkeiten.

Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?
Elie Hassoun: Je früher wir eine Ellenbogenarthrose erkennen, desto besser lässt sich das Gelenk erhalten. In frühen Stadien können zunächst konservative Maßnahmen wie Physiotherapie helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und das Gelenk zu entlasten. Wenn sich bereits störende knöcherne mechanische Hindernisse im Gelenk gebildet haben, können wir diese häufig minimalinvasiv entfernen.

Wann kommt eine arthroskopische Operation infrage?
Elie Hassoun: Eine Operation ist sinnvoll, wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen und die Beschwerden weiter zunehmen. Bei der Arthroskopie führen wir eine kleine Kamera über wenige Millimeter große Zugänge in das Gelenk ein.

Während des Eingriffs entfernen wir Strukturen, die Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen verursachen. Dazu gehören freie Gelenkkörper, knöcherne Anbauten oder vernarbtes Gewebe. In manchen Fällen wird auch die Gelenkkapsel teilweise gelöst, damit sich das Gelenk wieder besser bewegen lässt.

Arthroskopie kurz erklärt

Bei einer Arthroskopie, auch Gelenkspiegelung genannt, wird das Gelenk minimalinvasiv operiert. Über kleine Hautschnitte werden eine Kamera und feine Instrumente eingeführt. Dadurch lassen sich Veränderungen im Gelenk gezielt behandeln, ohne große Schnitte vornehmen zu müssen.

Die Ellenbogenarthroskopie gilt als anspruchsvoller Eingriff. Warum?
Elie Hassoun: Das Ellenbogengelenk ist sehr klein und gleichzeitig verlaufen wichtige Nerven und Blutgefäße in unmittelbarer Nähe zum Operationsgebiet. Dadurch erfordert der Eingriff viel Erfahrung und eine präzise Operationstechnik. Gerade bei Arthrose ist das Gelenk oft zusätzlich durch Narbengewebe verändert und dadurch noch enger. Deshalb spielt die Routine des Operateurs eine entscheidende Rolle für ein gutes Ergebnis.

Wie wichtig ist die Nachbehandlung nach der Operation?
Elie Hassoun: Die Nachbehandlung ist ein ganz entscheidender Teil der Therapie. Bereits kurz nach dem Eingriff beginnen die Physiotherapeuten mit ersten Bewegungsübungen. Auch danach müssen die Patienten regelmäßig üben. Nur durch konsequente Bewegung und Physiotherapie lässt sich die neu gewonnene Beweglichkeit erhalten und weiter verbessern.

Welche Ergebnisse können Betroffene erwarten?
Elie Hassoun: Eine Arthrose lässt sich nicht vollständig rückgängig machen, da geschädigter Knorpel nicht wieder nachwächst. Dennoch kann eine arthroskopische Behandlung die Beschwerden deutlich reduzieren. Viele Patienten profitieren von weniger Schmerzen und einer deutlich verbesserten Beweglichkeit im Alltag. In vielen Fällen lässt sich zudem das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen und der Gelenksatz kann damit hinausgezögert werden.

Unser Ärzteteam hat sich auf die Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen an Schulter und Ellenbogen spezialisiert. Mehr zu den vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten erfahren Sie auf unserer Website.